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Season 1

Episode 3

Ein tiefes Brummen durchdrang die Wände des Instituts und riss Nathaniel aus seiner frustrierenden Suche nach neuen Hinweisen in den Aufzeichnungen der letzten Jahrzehnte. Die wachsende Unruhe unter seinen Mitarbeitern lastete schwer auf ihm. Vor allem die Spannungen zwischen ihm und seinem Assistenten Polwitz vergifteten die Atmosphäre von Tag zu Tag. In ihren Besprechungen wurden die Rufe immer lauter, endlich zu handeln, auch wenn sie Thalor verfehlten.

Feiner Staub rieselte von der Decke und tanzte im Licht der Schreibtischlampe, bevor er sich auf die Papiere setzte. Mit einer beiläufigen Geste wischte Nathaniel ihn von der Schulter, zog ein kleines Notizbuch aus der Jackentasche und notierte in krakeliger Schrift die Uhrzeit. Stirnrunzelnd überflog er die Einträge der letzten Tage. Die Abstände zwischen den Beben waren kürzer geworden, als seine Berechnungen ergeben hatten. Wenn er es nicht besser wüsste, hätte er geglaubt, die Kristalle im Keller würden für eine neue Versuchsreihe vorbereitet.

Ein erneutes Grollen erschütterte die Mauern der Villa. Nathaniel spürte die Vibrationen tief in seinem Körper, die ihm einen stechenden Schmerz in den geschundenen Rücken jagten. Er atmete tief aus und ignorierte es. Er hatte keine Zeit für Selbstmitleid.

Er griff nach einem alten Pergament, das er vor Jahren auf einer seiner Expeditionen kopiert hatte, als die Tür zu seinem Arbeitszimmer ohne Vorwarnung aufgestoßen wurde und krachend gegen eines der Bücherregale schlug.

Verärgert blickte Nathaniel auf. Unterbrechungen waren ihm zuwider. In der Tür stand Polwitz, gespannt wie eine Raubkatze vor dem Sprung. „Pass doch auf!“, fuhr Nathaniel seinen Mitarbeiter an, der mit wenigen großen Schritten den Raum durchquerte und sich vor dem massiven Schreibtisch aufbaute. Achtlos schob er ein Buch beiseite, das bei einem der Beben von der Tischkante gerutscht war. Nathaniel spürte Zorn in sich aufsteigen, doch Polwitz schien das kein bisschen zu beeindrucken. Er funkelte ihn aus dunklen Augen an, in denen Nathaniel so etwas wie unverhohlenen Hass zu erkennen glaubte. Wie hatte es nur so weit kommen können? Es ärgerte Nathaniel. Er hatte wirklich andere Sorgen, als sich um die Befindlichkeiten seines Mitarbeiters zu sorgen.

„Es passiert genau das, wovor ich dich immer gewarnt habe“, setzte Polwitz mit scharfer Stimme an, ohne auf Nathaniels Zurechtweisung einzugehen. Mit spitzen Fingern fuhr er über die feine Staubschicht auf dem Schreibtisch, betrachtete die winzigen Körnchen und wischte sich die Hand an der Hose ab, bevor er sich wieder Nathaniel zuwandte. In seinen Worten lag eine ungekannte Schärfe, die ihn aufhorchen ließ. „Der Raum konfiguriert sich neu und destabilisiert den Spalt. Wenn wir jetzt nicht handeln, riskieren wir, alles zu verlieren!“ Mit einem durchdringenden Blick, in dem eine beunruhigende Angriffslust aufblitzte, unterstrich er seine Worte.

„Das ist völlig übertriebene Panikmache“, entgegnete Nathaniel und bemühte sich, die Unsicherheit aus seiner Stimme zu verbannen. „Kleine Schwankungen hat es schon immer gegeben. Wir müssen sicherstellen, dass wir die richtigen Vektoren für den Durchbruch nutzen.“ Er versuchte, ruhig zu bleiben, aber er spürte sofort, dass er scheiterte. Das ständige Aufbegehren seines Assistenten zerrte an seinen Nerven. Die Aufregung ließ seine Stimme zittern, und in ihm kochte die Wut darüber hoch, dass er sich so in die Enge getrieben fühlte. Seine Finger krallten sich in die Armlehnen des Rollstuhls, bis sich die scharfen Kanten der Nähte schmerzhaft in seine Haut bohrten.

„Die richtigen Vektoren“, wiederholte Polwitz mit einem verächtlichen Schnauben. Ein freudloses Lachen entfuhr ihm. Seine Stimme triefte vor Verachtung. Nathaniel sah, wie er die Kiefer zusammenpresste. Unauffällig ließ er seinen Blick schweifen und suchte nach einem Grund, dieses Gespräch zu beenden. Die Nähe der Wand in seinem Rücken und die Enge zwischen ihm und dem Schreibtisch, die er sonst als beruhigend empfunden hatte, schienen ihn nun zu erdrücken.

Mit einem wütenden Knurren stieß Polwitz die Aufzeichnungen vom Schreibtisch, die mit einem dumpfen Klatschen auf dem Boden landeten. „Thalor hier, Thalor da! Thalor …“, äffte er Nathaniel spöttisch nach und umrundete mit großen Schritten den Tisch. „Dein Hirngespinst von einer längst untergegangenen Welt bringt uns nicht weiter. Wann begreifst du das endlich?“

Nathaniel ballte die Hände zu Fäusten, bis seine Knöchel weiß hervortraten. Zorn stieg in ihm auf, vermischte sich mit der Angst, die Polwitz in ihm auslöste. „Du hast keine Ahnung, wovon du sprichst“, stieß er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. „Thalor ist der Schlüssel zu allem. Ohne das Wissen von dort wären wir nie so weit gekommen.“

Polwitz beugte sich zu ihm hinunter, sein Gesicht nur wenige Zentimeter von Nathaniels entfernt. In seinen Augen blitzte eine Wut, die Nathaniel einen kalten Schauer über den Rücken laufen ließ. „Wir stehen kurz vor dem größten Durchbruch in der Geschichte der Menschheit, und du klammerst dich an Märchen und Legenden“, zischte er.

Nathaniel wich vor dem blanken Hass in Polwitz' Stimme zurück, doch seine eigene Wut ließ ihn nicht schweigen. „Ohne mich und meine Forschung gäbe es dieses Institut gar nicht“, fauchte er. Mit einem Ruck versuchte er, seinen Rollstuhl von Polwitz wegzustoßen, doch sein Assistent packte die Armlehnen mit festem Griff.

„Du bist ein alter Narr“, knurrte Polwitz. „Sieh dich doch an. Du bist ein Wrack, das nur noch von der Energie der Kristalle am Leben gehalten wird.“ Mit einer ruckartigen Bewegung schob er den Ärmel von Nathaniels Hemd hoch und entblößte die schimmernden Adern darunter.

Nathaniel erstarrte. Sein Herz hämmerte gegen seine Brust, als ihm klar wurde, dass Polwitz sein Geheimnis kannte. „Wie lange spionierst du mir schon nach?“, stieß er atemlos hervor.

Ein hämisches Grinsen verzerrte die Züge seines Gegenübers. „Lange genug, um zu wissen, dass du die Kristalle für deine eigenen Zwecke missbrauchst“, sagte er mit schneidender Stimme.

„Du bist zu einem unnötigen Risiko geworden, Nathaniel“, fuhr Polwitz fort. Jegliche Emotion war aus seiner Stimme verschwunden. „Ein Risiko, das wir uns nicht mehr leisten können.“ Er richtete sich auf und sah ihn mit kalter Verachtung an. „Ab sofort übernehme ich die Leitung des Projekts. Du wirst uns nicht mehr aufhalten.“

Nathaniel blinzelte nervös und suchte nach der richtigen Reaktion. Sein ganzer Körper zitterte vor Anspannung, als er wortlos seinen Mund öffnete. Bevor er etwas sagen konnte, erschütterte plötzlich ein heftiges Beben die Grundmauern des Gebäudes. Polwitz taumelte zurück, während irgendwo im Flur etwas mit ohrenbetäubendem Krachen zu Boden fiel. Nathaniels Rollstuhl geriet in Bewegung, kippte zur Seite und prallte gegen das Fensterbrett.

Keuchend richtete er sich in seinem Stuhl auf. Als er den Kopf hob, begegnete ihm der Blick seines Assistenten, der von unverhohlenem Hass erfüllt war. Aber bevor Nathaniel etwas sagen konnte, schnitt das leise Klingeln eines Handys durch die angespannte Stille. Polwitz nahm das Gespräch an und lauschte wortlos der Stimme am anderen Ende.

„Ja, ich komme. Bereitet alles vor“, befahl er knapp und ließ das Telefon wieder zurück in seine Tasche gleiten. Mit einem letzten verächtlichen Blick wandte er sich ab.

"Pass auf, dass er keine Dummheiten macht", hörte Nathaniel Polwitz hinter der Tür sagen und zuckte zusammen, als eine dunkle hochgewachsene Gestalte den Türrahmen ausfüllte.

„Polwitz!“, rief Nathaniel ihm hinterher, doch das laute Klacken seiner Absätze entfernte sich bereits mit schnellen Schritten von seinem Arbeitszimmer. Kalter Schweiß rann Nathaniel den Rücken hinunter. Er zitterte am ganzen Körper, während er sich versuchte auszumalen, was nun passieren würde. Sein Blick blieb an dem Unbekannten hängen, der den einzigen Ausgang versperrte.

Der Mann war kaum mehr als eine dunkle Silhouette im schummrigen Licht des Büros. Nathaniel musterte ihn mit wachsender Anspannung, während er sich langsam auf ihn zubewegte. Jede Faser in Nathaniel drängte ihn, vor dieser lauernden Bedrohung zu fliehen, doch sein Rollstuhl hielt ihn unbarmherzig fest.


„Lassen Sie mich sofort gehen, oder Sie werden es bereuen!“, forderte Nathaniel und bugsierte seinen Rollstuhl zurück an den Schreibtisch.

Seine Stimme zitterte verräterisch und verriet die Panik, die in ihm aufstieg. Sie schnürte ihm die Kehle zu und drückte auf seiner Blase. Mit einer hektischen Bewegung griff er nach dem Telefon und tippte die Nummer der Polizei. Doch kaum hatten seine zitternden Finger den Hörer an sein Ohr geführt, stand der Fremde bereits neben ihm und entriss ihm den Hörer, schüttelte den Kopf und zog das Kabel aus dem Gerät. Das leise Geräusch aus dem Hörer verstummte und mit ihm Nathaniels letzte Hoffnung. Kraftlos sackte er zusammen, seine Hände zitterten vor Erregung und rutschten schweißnass von der Lehne seines Rollstuhls.

Die unheimliche Ruhe, mit der der Mann ihm die letzte Verbindung zur Außenwelt nahm, ließ Nathaniel erschaudern. Sein Verstand raste und suchte verzweifelt nach einem Ausweg aus dieser Situation, die direkt aus einem Albtraum zu kommen schien.

„Was wollen Sie?“, krächzte er und stemmte sich aus seinem Rollstuhl. Mit zitternden Armen stützte er sich auf dem Schreibtisch ab und funkelte den Mann aus wütenden Augen an.

Ein amüsiertes Lächeln umspielte die Lippen des Mannes und entblößte für einen Moment seine Zähne, die ihn wie die Fänge eines Raubtieres anblitzten. Noch bevor er reagieren konnte, schien der Mann vor ihm zu verschwimmen. Mit einer einzigen fließenden Bewegung schoss er auf ihn zu und ein kalter Stich durchzuckte Nathaniels Hals. Brennender Schmerz floss durch seine Adern und raubte ihm den Atem. Keuchend griff Nathaniel an seinen Hals und spürte etwas Warmes und Nasses unter seinen Fingern. Die Welt verschwamm vor seinen Augen, Schwärze fraß sich in sein Bewusstsein. Das Letzte, was er wahrnahm, war das dumpfe Gefühl seines eigenen Körpers, der in sich zusammensackte, bevor er in einen bodenlosen Abgrund stürzte.



Als Nathaniel aus der Dunkelheit der Bewusstlosigkeit erwachte, dröhnte ein unheimliches Pochen und Vibrieren in seinen Ohren, erst leise, dann immer lauter und eindringlicher. Mit einem gequälten Stöhnen zwang er die Augen auf, nur um von dem gleißenden Licht der Energiebahnen über ihm geblendet zu werden. Für einen Moment verlor er erneut die Orientierung, gefangen in einem Strudel aus gleißendem Licht und ohrenbetäubenden Geräuschen.

Hinter sich hörte er die hastigen Schritte von Menschen, die über den glatten Boden eilten und wie aufgeregte Ameisen zwischen den Geräten und Aufbauten hin und her huschten. Das Herzstück ihres Experiments im Keller des Instituts war zum Leben erwacht, pulsierte und brodelte vor fremdartiger Energie. Panik stieg in Nathaniel auf, schnürte ihm die Kehle zu, während er verzweifelt versuchte, sich umzudrehen und herauszufinden, was sie mit ihm vorhatten. Er musste Polwitz aufhalten, musste verhindern, dass er alles zerstörte, wofür Nathaniel in den letzten Jahrzehnten gearbeitet hatte.

Ein erschreckter Schrei entfuhr ihm, als etwas schmerzhaft in seine Handgelenke schnitt. Metallisch glänzende Fesseln umschlossen seine Unterarme wie die Klauen eines Ungeheuers und hielten sie unbarmherzig an den Armlehnen seines Rollstuhls fest. Nathaniel zerrte an den Manschetten, doch je mehr er sich wehrte, desto tiefer gruben sich die Kanten in seine Haut. Das warme, klebrige Gefühl seines Blutes, das ihm die Arme hinunterlief, ließ ihn vor Ekel und Entsetzen erschaudern.

Fluchend und vor Anstrengung keuchend, riss Nathaniel ein letztes Mal an den Fesseln, bevor er sich zurückfallen ließ, die Zähne so fest aufeinandergebissen, dass ihm der Kiefer schmerzte. Mit tiefen, zitternden Atemzügen versuchte er den stechenden Schmerz zu verdrängen, doch die Angst hatte sich wie eine eisige Hand um seine Kehle gelegt und schnürte ihm die Luft ab. Plötzlich ertönte Polwitz' Stimme hinter ihm, höhnisch und triumphierend: „Ah, wie ich sehe, bist du wieder unter den Lebenden.“

„Lass mich sofort frei, du Bastard!“, brüllte Nathaniel, aber seine Stimme klang selbst in seinen eigenen Ohren schwach und flehend. Er hasste sich für diese Schwäche, hasste die Hilflosigkeit, die ihn überkam. Aus den Augenwinkeln erhaschte er einen Blick auf den Mann in Schwarz, der ihn in seinem Büro überwältigt hatte. Sein entspanntes Lächeln jagte Nathaniel einen eiskalten Schauer über den Rücken und ließ seine Eingeweide zu einem Klumpen gefrieren.

Polwitz trat in sein Blickfeld, die Augen hinter den Brillengläsern kalt und berechnend. „Du hast deine Rolle in diesem Spiel ausgespielt, Nathaniel“, sagte er mit einer Ruhe, die in krassem Gegensatz zu dem Chaos um sie herum stand. „Aber dein Opfer wird nicht umsonst gewesen sein. Mit deiner Hilfe werden wir endlich das Tor zu einer neuen Welt aufstoßen.“

Nathaniels Augen weiteten sich vor Entsetzen, als die Erkenntnis wie ein Blitz durch seinen Verstand fuhr. Die Drähte, die von seinen Fesseln zu den Kristallen führten, die pulsierende Sphäre über ihm, die vor fremdartiger Energie brodelte – all das fügte sich zu einem Bild zusammen, das ihm das Blut in den Adern gefrieren ließ. Sie wollten ihn opfern, seine Lebensenergie anzapfen, um ein Tor zu einer anderen Welt zu öffnen.

„Das kannst du nicht tun, Karsten!“, presste Nathaniel zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, seine Stimme heiser von unterdrückter Panik. „Das ist Wahnsinn! Du weißt nicht, was auf der anderen Seite lauert!“

Aber Polwitz lachte nur, ein Lachen voll grausamer Heiterkeit. „Im Gegenteil, mein lieber Freund. Ich weiß ganz genau, was uns erwartet. Eine neue Epoche der Menschheit, in der wir die Grenzen von Raum und Zeit überwinden werden.“ Er beugte sich vor, bis sein Gesicht nur noch wenige Zentimeter von Nathaniels entfernt war. „Und dafür brauchen wir die Energie, die du dir ausgeborgt hast. Jedes bisschen davon.“

Mit diesen Worten richtete sich Polwitz auf und bedeutete dem Mann in Schwarz mit einer knappen Geste, seinen Platz einzunehmen. Nathaniel zerrte an seinen Fesseln, Panik wie ein wildes Tier in seiner Brust. Doch es war zwecklos. Er konnte nur hilflos zusehen, wie Polwitz an die Konsole trat und die Regler betätigte, um die letzte Phase des Experiments einzuleiten.

Das Surren der Kristalle schwoll an, vermischte sich mit dem ohrenbetäubenden Kreischen, das aus dem Riss im Raum über ihm drang. Gleißendes Licht zuckte durch die Luft, wirbelte um die pulsierende Kugel, die die Wirklichkeit um ihn herum zu verzerren begann. Mit jedem Pulsschlag der Kristalle wurde sie heller, mächtiger, gefährlicher, wurde zu einem Schlund, der die Welt zu verschlingen drohte.

Und mit dem Licht kam der Schmerz. Nathaniel bäumte sich in seinen Fesseln auf, einen gequälten Schrei auf den Lippen, als die Energie durch seinen Körper jagte, jeden Nerv in Brand setzte. Er spürte, wie seine Lebenskraft aus ihm gesogen wurde, ein Stück seiner Seele mit jedem Pulsschlag der Kristalle.

Vor seinen Augen verschwamm die Welt zu einem Strudel aus gleißendem Licht und pulsierenden Farben. Der Riss weitete sich, schickte Schockwellen durch den Raum, die alles um ihn herum erzittern ließen.

Ein letzter Pulsschlag, und Nathaniel wurde vom Licht der Kugel eingehüllt. Helles Nichts umgab ihn und schmerzte in seinen trüben Augen. Der kreischende Lärm der letzten Minuten war verschwunden und hatte einer ebenso lauten Stille Platz gemacht. Er blinzelte die Tränen weg und erkannte in der Ferne die schwachen Umrisse hoher Pflanzen, die nicht von dieser Welt zu sein schienen. Ungläubig rieb er sich die Augen. Überrascht stellte er fest, dass die Fesseln um seine Arme verschwunden waren, und vergeblich versuchte er, die rasenden Gedanken in seinem Kopf unter Kontrolle zu bringen. Was war das? War er tot? Er spürte seinen Puls, der ihm bis in die Kehle pochte, als er langsam die Lichtung eines Waldes vor sich erkannte. Schlug sein Herz auch im Jenseits? Nathaniel glaubte es nicht, aber was wusste er schon?

Dann war der Lärm wieder da. Wieder erfüllte dieses unerträgliche Kreischen den Raum und ließ Nathaniel vor Schmerz zusammenzucken. Etwas zog an ihm. Immer schneller bewegte er sich auf die Schemen zu, raste an ihnen vorbei, bis auch das grelle Weiß weit hinter ihm lag und einer tiefen Schwärze wich, als hätte er die Wirklichkeit selbst hinter sich gelassen.

Angst stieg in ihm auf und schnürte ihm erneut die Kehle zu. Seine Sinne schwanden, als das Licht hinter ihm erlosch. Verzweifelt suchte er nach dem Knopf an seinem Kragen, aber er fand ihn nicht. Jede Zelle seines Körpers stand in Flammen und brannte unter seiner Haut.

Dann umfing ihn gnädige Schwärze und spülte sein Bewusstsein in die Finsternis, weg von dem Grauen, das Polwitz entfesselt hatte. Nathaniel trieb in einem Meer der Leere, ohne Gefühl für seinen Körper, ohne Gedanken, ohne Schmerz. Es blieb nur die Stille, die ihn wie ein schützender Kokon umhüllte, und für einen Moment glaubte er, Frieden gefunden zu haben.

Doch tief in seinem Inneren wusste er, dass dies nicht das Ende war. Etwas zerrte an ihm, rief ihn aus der Dunkelheit zurück. Ein letztes Mal flackerte sein Bewusstsein auf und er sah die leuchtende Sphäre vor sich, die sich mit unvorstellbarer Kraft ausdehnte und alles um ihn herum in gleißendes Licht tauchte.

Hatte er die Schwelle zu einer anderen Welt überschritten? Oder war dies das Ende seiner Reise, sein letzter Atemzug, bevor die Dunkelheit ihn für immer verschlang? Die Fragen wirbelten durch Nathaniels schwindenden Verstand, während das Licht um ihn herum immer heller wurde, bis es alles andere auslöschte.

Ein letztes Mal kämpfte er gegen die Dunkelheit an, klammerte sich an die flüchtigen Bilder der fremden Welt, die er durch den Spalt erhascht hatte. Doch die Finsternis war stärker, zog ihn unerbittlich in ihre kalten Tiefen. Mit einem letzten Aufbäumen seines Willens streckte Nathaniel die Hand nach dem Licht aus, versuchte es zu ergreifen, doch seine Finger griffen ins Leere.